Die „Legopädin“ von Essen

Veröffentlicht von Administrator (admin) am 10.02.2009
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  Kölner Stadt-Anzeiger, von Petra Pluwatsch, 09.02.09, 22:00h
Sandra Barton sammelt, repariert und rekonstruiert Lego-Spielzeug. In ihrer Werkstatt stapelt sich das buntes Plastik bis zur Decke. Doch die Dame aus Essen-Karternberg hat noch größere Ziele - sie will ihr eigenes Museum. 
 
Lego-Steine sind für Sandra Barton eine eigene Welt.
 (Bild: Krasniqi)
 
 
 
 
 
 
In ihrer Lego-Werkstatt stapelt sich buntes Plastik bis zur Decke.


 

 

 

 

 

 

 

 

Essen - Eigentlich sammelt Sandra Barton Fledermäuse. Eine hat sie sich sogar auf die Haut tätowieren lassen. Aber Fledermäuse sollen heute nicht unser Thema sein. „Lassen Sie die mal“, sagt sie energisch, stellt eine Kanne Kaffee auf den Küchentisch und schiebt dem Gast eine Schale mit Backwerk entgegen. Heute wollen wir über Lego reden. Genauer gesagt: Über Sandra Bartons unstillbare Leidenschaft für die bunten Plastikteile. Etwa 600 Kilo lose Steine „in Kisten“ sind in ihrem Besitz, untergebracht im Dachzimmer des Einfamilienhauses in Essen-Katernberg, dazu 467 komplette Modelle - Schiffe, Schlösser, Drachen, Dinosaurier. Dann sind da noch die acht bis zehn Aktenordner mit Bauplänen aus mehreren Jahrzehnten. „Der Rest“, sagt Sandra Barton, „ist auf CD's drauf.“

Später, im Dachzimmer, wird sie eine Kladde hervorholen, in der sie alle Modelle aufgelistet hat, die sie bereits besitzt. Bausatz 7110: Star Wars Landspeeder. Bausatz 7313: Life on Mars Red Planet Protect. Bausatz 10 205: schwarze Lok mit Tender. Manche Seiten der Kladde sind noch jungfräulich weiß. „Im 3000er-Bereich müssen noch Lücken geschlossen werden“, sagt Sandra Barton selbstkritisch und setzt ihre jüngste Neuerwerbung in Gang: einen nagelneuen Inter City aus lackschwarzen Lego-Teilen.

Die 38-Jährige, Mutter eines sechsjährigen Sohnes, ist medizinisch-technische Präparatorin. Seit der Geburt des Sohnes arbeitet sie nicht mehr in ihrem Beruf. „Von daher“, sagt sie, „passt das alles irgendwie.“ Dinge wieder zusammenzusetzen, das habe sie schließlich gelernt. Bis zu acht Stunden verbringt sie täglich in der Lego-Welt und fügt zusammen, was zusammengehört. Längst kann sie hunderte von Bauteilen allein anhand ihrer Farbe, der Beschriftung und einer winzigen Ziffer im Inneren dem entsprechenden Bausatz zuordnen. „Sie haben einen Haufen Steine, ich sage Ihnen, welche Modelle Sie drin haben“, sagt sie selbstbewusst und will damit keinesfalls prahlen. „Das ist wie Vokabellesen. Irgendwann beherrscht man es.“

Die Lego-Leidenschaft der Sandra Barton nahm im Jahr 2003 ihren Anfang. Ehemann Thomas wünschte sich eine Eisenbahn für den einjährigen Sohn, möglichst eine, die nicht gleich kaputt geht, wenn sie einmal zu Boden fällt. Also entschied man sich für eine Lego-Bahn. In der schwarzen Kladde ist das schlichte Modell heute als Bausatz Nummer 126 aufgelistet. Der Anfang war gemacht, und bald „kam eins zum anderen“. Zum Spielen, sagt Sandra Barton, sei man schließlich nie zu alt, und zählt alphabetisch auf, welche der mehr als 20 Lego-Welten im Laufe der vergangenen fünf Jahre ihren Weg nach Essen-Katernberg fanden: „Adventure, Batman, Castle, City, Dinosaurier, Egypt, Fabuland, Insulaner... Rock Riders“, um „mal nur das Grobe“ zu nennen. Allein von den „neuesten Spionage- und Agentensachen“ hat sie bislang die Finger gelassen. Ehe Sandra Barton „was Neues anfängt“, will sie „erst einmal die alten Lücken aufforsten“.

Und das erweist sich häufig als schwierig genug. Viele der älteren Bausätze sind nicht mehr komplett zu haben, und das Aufspüren der fehlenden Steine kann Monate in Anspruch nehmen. Zwei Jahre hat Sandra Barton nach den Einzelteilen für ein Piratenschiff gesucht, von dem anfangs kaum mehr als der Rumpf vorhanden war. Von der „Grauen Löwenburg“ fehlten etwa zwei Drittel des Bausatzes, als sie mit dem Wiederaufbau begann. Das Modell „Space Police“ wartet bis heute auf seine original grünen Fenster - Sandra Barton wird weiter nach ihnen fahnden. Im Internet geht sie auf die Suche nach noch fehlenden Bauteilen oder kauft „Kiloware“ auf den Flohmärkten der Umgebung. Zu Hause wird die Materialsammlung dann nach Farbe, Form und Funktion sortiert.

Museumspläne

Seit etwa einem Jahr stellt Sandra Barton ihr Wissen auch anderen zur Verfügung. In ihrer privaten „Lego-Werkstatt“ setzt sie für Freunde, Nachbarn und Sammler alte Bausätze zusammen, ordnet Steine und ergänzt, falls möglich, die fehlenden Teile aus den eigenen Beständen. Die Nachfrage ist groß. Kürzlich erst hat ein kleiner Junge aus der Nachbarschaft drei große Kisten mit Einzelteilen vorbeigebracht, dazu etwa 20 bis 30 Baupläne, nach denen sie die zerlegten Modelle wieder zusammen setzen soll. Eine Sauarbeit, sie weiß es schon heute - und freut sich darauf.

Sandra Barton aus Essen-Katernberg hat noch andere Pläne. Am liebsten würde sie ein Museum eröffnen. Ein Lego-Museum, versteht sich. Und irgendwann wird sie auch eine Fledermaus aus Legosteinen bauen. Doch das ist eine andere Geschichte.

Quelle: Kölner Stadt-Anzeiger

Zuletzt geändert am: 13.02.2009 um 18:38

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