Gegen das Legochaos

Veröffentlicht von Administrator (admin) am 05.02.2009
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 Essen, 11.09.2008, Von Liliane Zuuring

Chaos in der Kiste kommt bei Sandra Barton nicht in die Tüte. Denn sonst würde die 38-Jährige aus Katernberg in ihrem Legoland unter dem Dach im Durcheinander versinken. Sie möchte mit ihrer Legowerkstatt anderen helfen, Herr der Steine zu werden.

Unter Tischen, der Hammond-Orgel und an den Wänden stapeln sich in Schubladen nach Farben und Funktionen sortierte Steinchen. Wo Platz ist, stehen Modelle. 462 an der Zahl, nicht alle aufgebaut. "Ich habe keinen Platz." 


Fotos (4): WAZ, Frank Vinken

Jahre investierte Sandra Barton in die Restauration der Burg links hinten.
462 Legomodelle hat sie in ihrer Legowerkstatt.
Nicht nur Fahrzeuge,
auch Tiere gehören zur Legowelt.Zu welchem Modell welcher Stein gehört,
weiß die Expertin.Drei Jahre dauerte die Restauration des Piratenschiffes.
 

Sandra Barton ersteht trotzdem weiterhin auf Flohmärkten das begehrte Baumaterial. "Wenn Kinder keine Lust mehr auf Lego haben, wird ja alles verkauft." Die Expertin sichtet dann die Schätze. "Jeder Stein hat eine Nummer. Daran kann ich erkennen, zu welchem Modell er gehört." Sie greift aus einer noch unsortierten Kiste ein rundes, blaues Bauteil. Die Nummer: 2593. Sie tippt sie ein in ein Computer-Programm, das liefert die Antwort: Es handelt sich um ein Insectoids-Element.

"Angefangen hat das Drama 2003. 2002 wurde unser Sohn Florian geboren, mein Mann wollte für ihn eine Eisenbahn. Eine Märklin für einen Einjährigen fand ich nicht gut. Fällt die Bahn hin, ist sie kaputt. Die Legobahnen kann man immer wieder zusammenbauen." Also kam der erste Zug ins Haus. Und es folgte eine Legowelt nach der anderen. Sandra Barton mag die Ägyptenszenarien. "Den Sarkophag habe ich in England bestellt."

Am Rand der Treppe zur Werkstatt fährt auf hochgebauten Schienen eine Bahn. "Daran arbeiten mein Sohn und mein Mann, sie wollen den Zug durch den Treppenflur fahren lassen." In der Vitrine im Wohnzimmer stehen Lego-Trucks, auf dem Boden hat sich der Sohn ausgebreitet mit Straßen - kombiniert aus Lego, Duplo und Playmobil. Unter dem Dach regiert Sandra Barton. Hier stehen die Ordner mit Informationen.

"Letztens rief mich ein Mann an, der den Bauplan für die Eisenbahn 7740 suchte. Ich hatte ihn." Wem ein Bauplan fehlt, wer nicht genau weiß, was er alles für Steine hat, dem hilft Sandra Barton. "Bis zu 30 Kilometern komme ich raus, baue mit auf. Ich sichte, was da ist, kann oft fehlende Elemente besorgen." Denn ihr Ersatzteillager ist groß. "Zum Glück, denn Lego gießt die Steine nur zwei Jahre nach." Und wer ein Modell aus den 1970er Jahren hat, muss sehen, wo er Fehlendes ersteht.

An manchen Modellen daheim werkelt Sandra Barton Jahre. Wie an dem Piratenschiff. Da ersetzte sie fehlende Originalteile immer erst provisorisch durch andere Steine, ergänzte die echten nach und nach. So auch bei Harry Potters Bank: Die roten Platzhalter müssen noch dunkelbraunen Steinen weichen. "Man kann sagen, dass ich für eine halbe Stunde bauen drei Stunden suche." Den Drachen, eigentlich grün, baute sie in Schwarz aus 1500 Teilen nach. Kann er im Original nur Flügel und Kiefer bewegen, so verpasste sie ihm noch einen um 360 Grad drehbaren Kopf und bewegliche Arme. Sogar an den Zollverein-Förderturm wagte sie sich. "Aber nicht mit Hilfe eines Computerprogramms, wo man ein Foto eingibt, nach dem der Bauplan erstellt wird. Ich habe selbst getüftelt", so die gelernte Präparatorin.

Im Legoland in Günzburg und im Legoland Discovery Centre in Duisburg war sie natürlich schon. Ein eigenes Museum wäre ihre Traum.

Ihr Horror dagegen sind: mit Sekundenkleber zur Erstarrung gebrachte Lego-Modelle. "Wie dieser Westernladen. Tödlich." So was kommt bei ihr nicht in die Tüte.
 
Quelle:derwesten.de

 

Zuletzt geändert am: 13.02.2009 um 18:28

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